Uruguay (März 2001)
Das kleine südamerikanisch Land scheint von europäischen Touristen bisher noch nicht entdeckt worden zu sein. Wenn man durch Uruguay reist, trifft man hauptsächlich einheimische oder argentinische Touristen. Sicherlich hat Uruguay keine spektakulären Naturschauspiele wie z.B. Venezuela oder Chile zu bieten. Die Landschaft ist grün und hügelig und wird zum großen Teil zur Viehzucht genutzt. Aber auch außerhalb von Montevideo gibt es schöne Städte und Ausflugsziele.
In Uruguay kann man sich bequem mit Reisebussen fortbewegen. Außerhalb der Hochsaison (Januar/Februar) braucht man weder Busse noch Hotels vorzubuchen. Die größeren Städte sind sehr gut miteinander verbunden, so dass es i.d.R. unproblematisch ist, zum jeweiligen Busterminal zu fahren und sich für den nächsten Bus eine Fahrkarte zu kaufen. Auch in Hotels oder Pensionen, die es in jeder Preisklasse gibt, muss man außerhalb der Saison nicht vorbuchen und sie sind zudem sehr viel billiger. Gerade wenn man die sehr schönen Strände Uruguays besuchen will, sollte man eher die Nachsaison wählen - es ist dann wunderbar ruhig und das Wetter ist im März immer noch sehr schön.
Als Zahlungsmittel bzw. Möglichkeit, sich mit Geld zu versorgen, eignet sich -wie inzwischen wohl überall auf der Welt- insbesondere die EC-Karte. An allen Geldautomaten mit dem "Maestro-Zeichen" kann man Geld ziehen und die Gebühren werden pro Transaktion von der eigenen Hausbank erhoben. Z.B. verlangte mein Kreditinstitut pro Abhebung 2,56 Euro. Das ist erheblich billiger, als mit der Kreditkarte Geld zu ziehen. Ebenso eignen sich als Zahlungsmittel Reisechecks, für deren Einlösung man bei den Wechselstuben allerdings unterschiedlich hohe Gebühren zahlen muss; ein Vergleich lohnt daher. Außerhalb von Montevideo ist die Einlösung von Reisechecks z.T. problematisch. Teuer ist es, mit Kreditkarte zu bezahlen, da hier in der Regel ein erheblicher Aufschlag verlangt wird.
Vor Kriminalität muss man sich in Uruguay nicht mehr fürchten, als in Deutschland. Uruguay zählt zu den sichersten Ländern Südamerikas. In Montevideo sollte man sich im Hafenviertel allerdings nachts besser nicht aufhalten. Infos hierzu erhält man aber in den Pensionen.
Als Reiseführer kann man den Peter Meyer Reiseführer Argentinien & Uruguay empfehlen.
Montevideo,
die Hauptstadt Uruguays, ist
eine südamerikanische Großstadt am Río de la Plata, die
relativ beschaulich ist. Im Vergleich zu Buenos Aires läuft alles sehr
viel gemächlicher und ruhiger ab. Der Plaza Independencia, der Hauptplatz
am Rande der Altstadt gelegen, lebt von Gegensätzen. Mitten auf dem
Platz befindet sich das Reiterstandbild des Nationalhelden
Artígas. Auf der einen Seite wird er begrenzt vom berühmten
Torre Salvo, der lange Zeit das höchste Gebäude
Südamerikas war. Neben dem schönen Palacio Estévez
befindet sich gegenüber dem Torre Salvo ein etwas monströs
wirkendes Bürogebäude, das man wirklich nicht als schön bezeichnen
kann. Trotzdem hat dieser Platz seinen Reiz und es macht Spaß, sich
eine Zeit lang auf einer der Bänke auszuruhen und die vorbeilaufenden
Leute zu beobachten.
Neben
dem Torre Salvo beginnt die Avenida 18 de Julio. Hier gibt es viele
Geschäfte und man stößt irgendwann auf
ein großes
Straßencafe ("La Pasiva"), dass etwas zurückgesetzt auf
der linken Straßenseite liegt, in dem man gut ausruhen und leckere
Sandwiches essen kann. Viele der Geschäftsleute machen dort Mittagspause.
Folgt man der Avenida weiter, kommt man auf den Plaza Cagancha. Dort
befindet sich ein Kunsthandwerkermarkt, der wirklich schöne Sachen anbietet.
Etwas weiter östlich trifft man auf der rechten Seite auf den Palacio
Municipal, das Gebäude der Stadtverwaltung. Die Besucherterasse
im 24. Stock, von der unser Reiseführer schrieb, war leider geschlossen.
Wir wurden aber im Gebäude von einem Angestellten angesprochen, der
mit uns auf einen Balkon ging, von wo aus wir einen wundervollen Blick über
die Stadt hatten.
Zurück auf dem Plaza Independencia betritt man gegenüber
dem Torre Salvo die Altstadt durch ein Tor, die Puerta de la
Ciudadela. Dort beginnt eine Fußgängerzone mit Geschäften
und Cafés und Bars. Man kreuzt die Straße Bartolomé
Mitre, in der sich Hotels und Pensionen befinden. Preiswert und
familiär ist z.B. das Hotel Solís, das von einem netten
jüngeren Ehepaar geleitet wird. Schön ist auch das Hotel
Palacio in derselben Straße. Geht man diese
Straße ein wenig herauf,
so kommt man zu dem berühmten Teatro Solís, das leider
auf nicht absehbare Zeit wegen Renovierung geschlossen ist. Am Samstag sollte
man nicht versäumen, den Plaza Constitución (oder auch
Plaza Matriz) zu besuchen, da dort regelmäßig ein
Antiquitätenmarkt abgehalten wird. Nebenbei unterhalten einen verschiedene
Musikaufführungen und Veranstaltungen.
Auch nicht versäumen sollte man den Besuch des Mercado del Puerto im Hafenviertel. Dort befinden sich zahlreiche Restaurants, die auf dem offenen Grill Fleisch zubereiten. Für Fleischliebhaber eine preiswerte und sehr unterhaltsame Art, etwas zu essen.
Colonia de Sacramento
ist ein kleines Städtchen am Río de la Plata, das sich ca. 180
km westlich von Montevideo befindet und von dort aus sehr gut mit dem Bus
zu erreichen ist. Am Wochenende kommen zahlreiche Argentinier hierher, da
gute Fährverbindungen nach Buenos Aires bestehen. Dementsprechend
lohnt sich von hier aus auch ein Ausflug nach Argentinien. Es fahren
täglich mehrere Fähren und ein etwas teureres Schnellboot (ca.
eine Stunde nach Buenos
Aires).
Die Stadt hat sich ihr koloniales Erbe erhalten und ist daher sehr reizvoll. Das Barrio Histórico liegt auf einer Landzunge und lässt den portugiesischen Einfluss noch erkennen. Die Calle de los Suspiros (Straße der Seufzer) führt zum Hauptplatz der Altstadt, Plaza 25 de Mayo. Über Kopfsteinpflaster schlendert man an kleinen bunten Kolonialbauten vorbei, in denen sich z.T. Geschäfte und Restaurants befinden. Lohnenswert sind die kleinen Museen (Museo del Periodo Histórico Portugués, Museo del Periodo Histórico Espanol, Museo Municipal, Museo de los Azulejos) Der Eintritt wird einmal für alle Museen gelöst. Zu sehen gibt es zudem die Bastión de San Miguel, Teil einer portugiesischen Verteidigungsanlage und einen Leuchtturm. Schöne Strände laden außerdem zum Baden in dem ziemlich kühlen Río de la Plata ein.
Mercedes
liegt am Río Negro. Im Stadtzentrum befindet sich die beeindruckende Kirche Iglesia Nuestra Senora de las Mercedes. Auf die Isla Puerta gelangt man über die mit dem Festland verbundene Brücke Puente de la Confraternidad Argentina-Uruguaya. Dort kann man mit Blick auf den Río Negro entspannen und baden und vor allem einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen.
Fray Bentos
liegt direkt am Río Uruguay, ganz in der Nähe von
Mercedes. Man kann ohne weiteres einen Tagesausflug mit dem ständig
verkehrenden Linienbus von Mercedes aus unternehmen. Die Stadt hat
ein sehr schönes Theater, das Teatro Young, das man unbedingt
auch von innen anschauen sollte. Schön ist auch der Plaza
Constitución mitten in der Stadt, an dem sich das Officina
de Turismo befindet. Bei den sehr netten und hilfsbereiten Mitarbeitern
kann man alles nähere über die eigentliche Sehenswürdigkeit
der Stadt, den Frigorífico Anglo, erfahren. Hierbei handelt
es sich um eine 1865 gegründete Fleischextraktfabrik, die 1976 geschlossen
wurde. Auf dem Fabrikgelände wurde aber alles so belassen, wie es war.
Mit Führungen (Zeitpunkt sollte an der Touristeninformation erfragt
werden) kann man das gesamte Gelände besichtigen. Man sieht Dampfmaschinen,
einen historischen "Computerraum", d.h. die
ehemalige Schaltzentrale,
eine alte Löschmaschine und die gesamte Konstruktion des Viehtransportes
über das Gelände. In einigen Räumen kann man noch das getrocknete
Blut der geschlachteten Tiere an den Wänden sehen. Auch die
Verwaltungsräume, die Büros, sehen aus, als seien sie gestern
verlassen worden. Beeindruckend sind auch zahlreiche alte wissenschaftliche
Bücher, teilweise in deutsch, da der deutsche Chemiker Justus von
Liebig der Erfinder des Fleischextraktes war. Daher wird die Fabrik auch
Liebig´s genannt. Wir bekamen eine exklusive Führung von
einer netten jungen Frau; wir waren nämlich an diesem Tag die einzigen
Touristen. Sie schilderte alles sehr anschaulich, da ihr Großvater
in dieser Fabrik noch gearbeitet hatte. Ein Besuch ist unbedingt empfehlenswert,
zumal nach und nach alle Bereiche restauriert und zugänglich gemacht
werden sollen. Nach einem Besuch kann man zum Essen das im Parque
Industrial ganz in der Nähe gelegene Restaurant Wolves empfehlen,
das frische Nudeln in jeder erdenklichen Variante anbietet.
Tacuarembó
liegt ca. 400 km nördlich von Montevideo. Empfehlenswert ist
das Museo del Indio y del Gaucho, das Geschichte
und Kultur der Bevölkerung
darstellt. Von hier aus bietet sich ein Ausflug in das Valle Edén
an, das mit dem Bus Richtung Tambores zu erreichen ist. Dort gibt
es einen verlassenen Bahnhof und viel Natur. Nicht weit von
Tacuarembó liegt das Balneario Iporá mit Badeseen
und kurzen Wanderwegen.
Piriápolis
ist ein schöner Badeort
östlich von Montevideo. Benannt wurde die Stadt nach dem Argentinier
Francisco Piria, der in den 30er Jahren dort den Tourismus entwickelte. Das
exklusive Hotel Argentino an der Uferpromenade wurde von ihm erbaut.
Im benachbarten Hotel de Banos, das ebenfalls von Piria gebaut wurde,
findet man das Oficina de Turismo. Ein schönes Souvenir ist das Buch
Asesinato en el Hotel de Banos des uruguyischen Schriftstellers Juan
Grompone. Neben einer spannenden Kriminalgeschichte erfährt man
etwas über die Geschichte des Hotels. Man kann in dieser Stadt nicht
nur an den tollen Sandstränden baden, sondern auch Ausflüge
unternehmen. Einer führt zum Castillo Piria, dem ehemaligen Wohnsitz
von Francisco Piria. Dort befinden sich Möbel aus dem Hotel de
Banos und andere Einrichtungsgegenstände seiner Zeit. Einen weiteren
schönen Ausflug kann man zum Cerro Pan Azúcar
unternehmen.
An
dessen Fuße lässt
man sich von dem Bus Richtung Pan Azúcar an der Reserva
Fauna absetzen. Durch einen sehr schönen Tiergarten mit einheimischen
Tieren (besonders neugierig und putzig sind Coatís!)
gelangt man zum Fuße des Berges. Man klettert ziemlich steil etwa 400
m hoch, bis man oben ein ca. 30 m hohes Kreuz erreicht. Auch das kann man
erklimmen und hat dann einen tollen Blick über Piriápolis.
Punta del Este
ist ein in der Hochsaison
überlaufener und teurer Badeort; in der Nachsaison wirkt er eher verschlafen
und -je nach Geschmack- angenehmer. Auf der einen Seite branden die Wellen
des Atlantiks, auf der anderen schaut man auf das ruhige Wasser des
Río de la Plata. Auf der vorderen Landspitze befinden sich
wirklich schöne Ferienvillen, im hinteren Bereich einige nicht so
schöne "Hotelburgen". Außerhalb der Saison ist man dort am Strand
fast alleine und kann dort seinen Urlaub ein paar Tage ausklingen lassen...
Und was gibt es sonst noch zu sehen oder zu unternehmen....
Es gibt einige Thermalbäder, so z.B. das ca. 60 km nördlich von Paysandú gelegene Thermalbad Guaviyú. Es besteht aus unterschiedlich warmen Becken bis hin zu einer Art "Dampfbecken". Man kann an diesem Ort sicherlich wunderbar für ein oder zwei Tage entspannen. Das Thermalbad ist mit dem Bus aus von Paysandú zu erreichen. Unbedingt sollte man beim Busfahrer Bescheid sagen, wo man aussteigen möchte, da dieses Bad vom Gefühl her "mitten im Nichts" liegt.
Wer an der Viehwirtschaft interessiert ist, für den bieten sich Ausflüge auf Estancias an, die i.d. R. von Montevideo aus gebucht werden können. Als Beispiel sei hier die Estancia de las Vacas genannt, die etwas 50 km westlich von Colonia liegt.
Wie bereits oben erwähnt, bietet sich -auch wenn man schwerpunktmäßig Uruguay bereisen will - ein Ausflug nach Argentinien, zumindest aber nach Buenos Aires von Colonia aus mit der Fähre an. Das Ein- und Ausreisevisum erhält man unbürokratisch beim Besteigen der Fähre durch Stempel in den Reisepass. Man kann die Stadt einige Tage erkunden und dann wieder nach Uruguay zurückkehren oder aber natürlich auch die Erkundung beider Länder miteinander verbinden und dann in Argentinien weiterreisen.